Tierarztpraxis Kling-ErbeHund, Katze & Heimtier · Geisa

Juckreiz und Allergie

Kratzen, Lecken, Kopfschütteln: Juckreiz ist einer der häufigsten Gründe für einen Tierarztbesuch. Dahinter stecken oft Parasiten oder eine Allergie. Mit einer gründlichen Abklärung Schritt für Schritt finden wir die Ursache – und Ihr Tier wieder Ruhe.

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Daran erkennen Sie Juckreiz

Nicht jedes Tier kratzt sich auffällig. Achten Sie auch auf die leisen Zeichen:

  • Hund: häufiges Kratzen, Lecken oder Knabbern an den Pfoten, rotbraun verfärbtes Fell durch Speichel, Kopfschütteln, Rutschen auf dem Po, gerötete Haut an Bauch, Achseln oder Innenschenkeln, Schuppen, unangenehmer Geruch.
  • Katze: übermäßiges Putzen (oft heimlich), kahle Stellen an Bauch und Innenschenkeln, kleine Krusten im Fell, Kratzwunden an Kopf und Hals, häufiger erbrochene Haarballen.

Wie stark juckt es?

Mit dieser Skala können Sie den Juckreiz Ihres Tieres einschätzen. Notieren Sie den Wert regelmäßig – so sehen wir gemeinsam, ob eine Behandlung wirkt.

WertSo verhält sich Ihr Tier
0Kein Juckreiz – kratzt sich nicht mehr als ein gesundes Tier.
2Sehr leicht: kratzt oder leckt sich gelegentlich, etwas häufiger als früher.
4Leicht: kratzt sich öfter, hört aber auf, wenn es abgelenkt wird.
6Mittel: kratzt sich regelmäßig, auch nachts oder beim Fressen und Spielen.
8Stark: kratzt sich lange, wacht nachts davon auf, lässt sich kaum ablenken.
10Sehr stark: kratzt sich fast ununterbrochen, auch während der Untersuchung.

Die häufigsten Ursachen

  • Parasiten: Flöhe, Milben (z. B. Sarcoptes-Räude, Herbstgrasmilben, Ohrmilben). Bei einer Flohspeichelallergie genügen schon wenige Bisse – Flöhe sieht man dabei oft gar nicht.
  • Umweltallergie (Atopie): Überempfindlichkeit gegen Hausstaubmilben, Pollen oder Schimmelpilze. Sie beginnt meist im Alter zwischen einem halben und drei Jahren, anfangs oft nur zu bestimmten Jahreszeiten.
  • Futtermittelallergie: eine Reaktion auf bestimmte Eiweiße im Futter, zum Beispiel Rind, Huhn oder Milchprodukte. Der Juckreiz besteht das ganze Jahr, manchmal kommen Durchfall oder häufiger Kotabsatz dazu.
  • Infektionen: Bakterien und Hefepilze nutzen eine gereizte Haut aus. Sie verstärken den Juckreiz und müssen mitbehandelt werden.

Oft wirken mehrere Ursachen zusammen. Mehr zu allen Hauterkrankungen lesen Sie auf unserer Seite Dermatologie.

So finden wir die Ursache

Eine Allergie lässt sich nicht mit einem einzigen Test feststellen. Wir klären deshalb Schritt für Schritt ab:

  1. Vorbericht und Untersuchung: Wann begann der Juckreiz, wo juckt es, was wurde schon versucht? Füllen Sie dazu gern vorab unseren Dermatologie-Fragebogen aus.
  2. Proben unter dem Mikroskop: Haarproben, Hautgeschabsel und Klebebandabzüge zeigen Milben, Bakterien und Hefepilze.
  3. Parasiten konsequent ausschließen: mit einem wirksamen Schutz für alle Tiere im Haushalt.
  4. Infektionen behandeln – danach sehen wir, wie viel Juckreiz übrig bleibt.
  5. Ausschlussdiät: Sie zeigt, ob das Futter beteiligt ist (siehe unten).
  6. Umweltallergie: Bleibt danach Juckreiz bestehen, liegt meist eine Atopie vor. Ein Allergietest hilft dann, die Auslöser für eine Hyposensibilisierung auszuwählen.

Die Ausschlussdiät – so gelingt sie

Wichtig: Eine Ausschlussdiät klappt nur, wenn Ihr Tier wirklich nichts anderes bekommt. Schon ein Leckerli kann das Ergebnis verfälschen.
  • Mindestens 8 Wochen nur das Diätfutter und Wasser – mit einer Eiweißquelle, die Ihr Tier noch nie gefressen hat, oder einem speziellen Diätfutter, bei dem das Eiweiß so stark zerkleinert ist, dass das Immunsystem es nicht mehr erkennt. Das passende Futter erhalten Sie bei uns in der Praxis.
  • Keine Leckerli, Kauknochen, Tischreste oder Zahnpflegesnacks. Auch Tabletten mit Geschmack und Zahnpasta für Tiere können stören – fragen Sie uns.
  • Alle im Haushalt einweihen, auch Kinder, Großeltern und Nachbarn.
  • Bei mehreren Tieren getrennt füttern; Katzen möglichst nicht nach draußen lassen.
  • Bessert sich der Juckreiz, füttern Sie danach wieder das alte Futter. Kommt der Juckreiz innerhalb von etwa zwei Wochen zurück, ist die Futtermittelallergie bestätigt.

Bei der Auswahl des Futters und für einen Plan, der zu Ihrem Alltag passt, unterstützt Sie unsere Ernährungsberatung.

Behandlung einer Allergie

Eine Allergie ist meist nicht heilbar – aber gut zu behandeln. Ziel ist, dass Ihr Tier mit möglichst wenig Juckreiz und möglichst wenigen Medikamenten lebt. Dafür kombinieren wir:

  • Auslöser meiden: bei einer Futtermittelallergie das passende Futter dauerhaft, bei Hausstaubmilben häufiges Waschen der Decken bei mindestens 60 °C.
  • Hautbarriere stärken: mit medizinischen Shampoos, Pflegeprodukten und Omega-3-Fettsäuren. Wie Sie richtig baden, lesen Sie in unserem Ratgeber Hautpflege und Shampoo.
  • Juckreiz lindern: Heute gibt es gut verträgliche Medikamente – als Tablette oder als Spritze, die etwa einen Monat wirkt. Welche Behandlung passt, besprechen wir mit Ihnen.
  • Hyposensibilisierung: Die einzige Behandlung, die an der Ursache ansetzt. Ihr Tier bekommt die Allergene in steigender Menge, bis sich das Immunsystem daran gewöhnt. Etwa zwei von drei Hunden sprechen gut darauf an; die volle Wirkung zeigt sich oft erst nach sechs bis zwölf Monaten.
  • Regelmäßige Kontrollen, damit Infektionen früh erkannt und behandelt werden.

Was Sie zu Hause tun können

  • Ein Juckreiz-Tagebuch führen: Wert auf der Skala, Futter, Jahreszeit, Fotos der betroffenen Stellen.
  • Alle Tiere im Haushalt das ganze Jahr gegen Flöhe schützen – mehr im Ratgeber Zecken und Flöhe.
  • In der Pollenzeit Pfoten und Bauch nach dem Spaziergang mit klarem Wasser abwaschen. Wie stark die Belastung gerade ist, zeigt unsere Pollen- und Parasiten-Ampel.
  • Keine Salben oder Medikamente aus der Hausapotheke verwenden – sie können die Haut zusätzlich reizen und die Untersuchung erschweren.
  • Termine mit uns rechtzeitig planen: Je früher wir behandeln, desto seltener werden Ohren und Haut dauerhaft geschädigt.

Bitte bald zu uns kommen, wenn …

  • offene, nässende oder schnell größer werdende Stellen entstehen („Hot Spot“),
  • Ihr Tier den Kopf schief hält, bei Berührung der Ohren Schmerzen zeigt oder die Ohren stark riechen,
  • der Juckreiz Ihr Tier nachts nicht schlafen lässt,
  • mehrere Tiere im Haushalt – oder Sie selbst – Juckreiz bekommen. Das kann auf Räude hinweisen, wie in unserem Fallbeispiel.
Notfall: Schwillt das Gesicht nach einem Insektenstich plötzlich an, oder hat Ihr Tier Atemnot, Erbrechen oder bricht zusammen, rufen Sie sofort an. Außerhalb der Sprechzeiten: Notdienst.

Unsere Praxis hat einen Schwerpunkt in der Dermatologie: Dr. med. vet. Susanne Kling-Erbe hat das europäische Zertifikat GPCert Derm in Hauterkrankungen bei Hund und Katze.

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